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Platte des Monats

Syd Arthur - Apricity [Communion Records]

Autor(en): Vitus Aumann am Montag, 31. Oktober 2016
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Quelle: Caroline International

Syd Arthur - Apricity

Eine Platte wie ein angenehmer Sonnenstrahl an einem kalten Tag: Die Band aus Canterbury kombiniert auf ihrem neuen Album "Apricity" eindrucksvoll psychedelische Sounds mit konventionellen Songstrukturen und schafft es so, den kalten Herbst ein kleines bisschen erträglicher zu machen. Vorhang auf für Syd Arthur!

Der Herbst ist da. Die Tage werden kürzer, die Nächte deutlich frischer, das Wintersemester ist wieder voll im Gange, und selbst wenn man sich dazu entschließt die erste Vorlesung sausen zu lassen um noch ein bisschen länger im warmen Bett bleiben zu können, wird man höchstwahrscheinlich von irgendeinem sadistischen Nachbarn geweckt, der scheinbar dem ganzen Viertel beweisen muss, dass die 85€ für den neuen Laubsauger eben doch gut investiertes Geld waren.

Generell gibt es wenige Gründe sich auf den November zu freuen, es sei denn man hat Geburtstag, oder die Lieblingsband stattet der Heimatstadt endlich mal wieder einen Besuch ab. Und trotzdem gibt es immer wieder diese Momente, wenn man morgens das Haus verlässt, und plötzlich vollkommen unerwartet warme Sonnenstrahlen im Gesicht spürt. Ein wunderschönes Gefühl, dass die englische Band Syd Arthur mit ihrem neuen Album "Apricity" einfangen will.

Aus Canterbury in die Isolation

Für ihr viertes Album machte sich die seit über zehn Jahren bestehende Band, die aus den drei Brüdern Liam, Joel und Josh Magill, sowie Raven Bush besteht, auf eine Reise aus dem heimischen Canterbury nach Kalifornien, um komplett fokussiert an neuen Klängen tüfteln zu können. Allerdings zieht es Syd Arthur, deren Bandname sowohl eine Hommage an Hermann Hesses Erzählung Siddartha, als auch an Syd Barret und das Album Arthur von The Kinks sein soll, nicht wie man vielleicht vermuten könnte an die warmen kalifornischen Strände, sondern in die Berge, die selbst im Sommer winterlich kühl bleiben. Kein Wunder dass die Engländer sich nach Sonnenstrahlen gesehnt haben. Und so gaben Syd Arthur ihrem Album den Titel "Apricity" – Ein altenglisches Wort für Sonnenstrahlen im Winter.

Zwischen Experimenten und Zugänglichkeit

Herausgekommen ist ein Album, dass wenn man so will der kleine, etwas verschwurbeltere und funkigere Bruder von der letzten Tame Impala Platte sein könnte. Keyboarder Raven, der übrigens Neffe der Artrock-Ikone Kate Bush ist, zaubert Syntharpeggios über ungerade Schlagzeugfiguren von Drummer Josh, während Sänger Liam seinen souligen Gesang beisteuert. Zwar ist das Album immer noch von Funk, Freejazz und Krautrockeinflüssen geprägt, im Vergleich zu den früheren Syd Arthur Platten sind die Songs jedoch spürbar geradliniger. Ausschweifende  Jams wie auf den früheren Platten gibt es kaum noch, und die Einflüsse der Psychadelic Rave Szene ihrer Heimat Canterbury, die Bands wie Soft Machine oder Caravan hervorgebracht hat werden immer kleiner, ohne jedoch ganz zu verschwinden. Die Engländer haben es eindrucksvoll geschafft eine wohlklingende Balance aus experimentellen Sounds und einer eingängigen Songstruktur zu erschaffen.

 

Veränderter Sound durch veränderte Umstände

Dass sie ihren Stil nach ihrem hochgelobten letzten Album Sound Mirror so sehr geändert haben, hat sicherlich mit den Veränderungen in der Band zu tun: Gründungsmitglied Fred Roher musste wegen anhaltender Probleme mit seinem Gehör die Schlagzeugsticks an den jüngeren Bruder von Liam und Joel übergeben. Außerdem ist die Band durch die Tourerfahrung gereift. Syd Arthur gelten seit jeher als beeindruckende Liveband und durften ihre Qualitäten schon auf gemeinsamen Touren mit Bands wie White Denim und sogar The Strokes unter Beweis stellen. Die Clubs, in denen Syd Arthur auftreten werden immer größer und dementsprechend haben sie ihren Sound angepasst.  

So ist "Apricity" ein Album geworden, das experimentell genug ist um nicht langweilig zu klingen, aber nicht zu kompliziert ist um anstrengend zu sein. Eben die perfekte Platte, um den Weg zur Ubahn an einem kalten nebligen Novembermorgen ein kleines bisschen erträglicher zu machen – Eben wie ein unerwarteter Sonnenstrahl an einem kalten Tag.

 

Apricity von Syd Arthur ist am 21. Oktober bei Caroline International erschienen

 

Platte des Monats

Conor O'Brien zeigt mit The Art of Pretending to Swim, dass Indie-Folk auch im Jahr 2018 noch spannender klingen kann, als man das von diesem Genre erwartet hätte. Das vierte Album der Villagers vereint, was eigentlich widersprüchlich wirkt: Folk mit R'n'B und Experimentierfreude mit Zugänglichkeit. 

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